links about us archives search home
SustainabiliTankSustainabilitank menu graphic
SustainabiliTank

 
 
Follow us on Twitter

 

Posted on Sustainabilitank.info on May 28th, 2012
by Pincas Jawetz (pj@sustainabilitank.info)

Selbstverbrennungen erreichen Tibets Hauptstadt Lhasa.

28. Mai 2012, 08:53

Zumindest einer von zwei Mönchen bei Protestaktion gegen chinesische Okkupation getötet.

Peking – Aus Protest gegen die chinesische Tibet-Politik haben sich in der tibetischen Hauptstadt Lhasa zwei Mönche selbst angezündet. Dabei wurde mindestens einer der beiden getötet, wie die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am Montag meldete. Es waren die ersten Selbstverbrennungen in Lhasa selbst. In der seit 2009 andauernden Serie von Selbstverbrennungen aus Protest gegen die chinesische Herrschaft war es das erste Mal, dass sich Tibeter direkt in der tibetischen Hauptstadt mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Der zweite Mönch sei schwer verletzt, berichtete Xinhua weiter. Polizisten hätten die Flammen in wenigen Minuten gelöscht. Ein ranghoher kommunistischer Vertreter der Region, Hao Peng, verurteilte den Vorfall. Damit solle Tibet von China getrennt werden.

Laut dem in den USA ansässigen Sender Radio Free Asia (RFA) gehörten die beiden Mönche offenbar zu einer Gruppe Jugendlicher, die sich am Sonntag vor dem Jokhang-Tempel versammelt hatten, um gegen die chinesische Herrschaft in der autonomen Region zu protestieren.

Massive Polizeipräsenz

Laut von dem US-Sender zitierten Zeugen erschienen sofort Sicherheitskräfte, die das Feuer löschten und alle Touristen aus der Gegend verbannten. Innerhalb von 15 Minuten sei der Bereich gesäubert gewesen, und von dem Vorfall habe es keine Spur mehr gegeben. Die Sicherheitsmaßnahmen in Lhasa wurden umgehend verschärft. Die Lage sei angespannt. Polizisten und paramilitärische Kräfte seien überall in den Straßen zu sehen.

Es handelte erst sich um die zweite Selbstverbrennung in Tibet selbst. In den vergangenen drei Jahren sind insgesamt 35 Fälle in China bekanntgeworden, wo Tibeter sich selbst verbrannt haben, die meisten davon in von Tibetern bewohnten Provinzen Chinas, insbesondere in der Südwestprovinz Sichuan.

Die Suizidaktionen sind ein symbolischer Protest gegen die chinesische Herrschaft. China hält Tibet seit dem Jahr 1951 besetzt und kontrolliert die autonome Region sowie die anliegenden Provinzen, in denen ebenfalls zahlreiche Tibeter leben, mit harter Hand. Die Tibeter klagen über ihre soziale und kulturelle Marginalisierung durch die ethnischen Han-Chinesen, die systematisch in ihren Heimatregionen angesiedelt werden. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, lebt im nordindischen Dharamsala im Exil. (APA, 28.5.2012)

————————–

Der Gelehrte Tsewang Nyima, in Peking, über Selbstverbrennungen von Mönchen und den Status quo.

STANDARD: Seit März 2011 hat es über 35 Selbstverbrennungen von tibetischen Mönchen und Nonnen gegeben. Warum?

Nyima: Sie sind verzweifelt, weil die tibetische Kultur zugrunde geht (schluchzt). Selbstverbrennungen sind die letzte Maßnahme, um Aufmerksamkeit auf Tibet zu lenken. Die Lage hat sich seit 2008 dort sehr verschlechtert. Massendemonstrationen werden im Keim erstickt. Selbstverbrennungen können die Chinesen dagegen kaum kontrollieren.

STANDARD: 2008 gab es teilweise gewaltsame Proteste von Tibetern gegen die chinesische Herrschaft …

Nyima: … und die Olympischen Spiele in China. Seitdem sind in den Städten und in der Umgebung der Klöster in Tibet viele Soldaten und zivile Polizisten stationiert, die eine scharfe Kontrolle ausüben. Wer nur einen Hauch Negatives über China sagt, muss fürchten, festgenommen zu werden.

STANDARD: Haben die Selbstverbrennungen etwas bewirkt?

Nyima: Für die Verbreitung der politischen Situation war es sehr hilfreich, weil man jetzt darüber spricht und viele Menschen sich fragen, was in Tibet geschieht. Aber nun ist es wichtig, dass die Regierungen darauf reagieren und Tibet politisch mehr unterstützen – auch gegenüber China.

STANDARD: Wie vollzieht sich der Untergang der tibetischen Kultur?

Nyima: Zum Beispiel über die Sprache. Tibetisch wird in Privatschulen von der ersten bis zur sechsten Klasse angeboten, an weiterführenden Schulen kaum. Wer die höheren Universitäten besuchen will, muss sich auf Chinesisch konzentrieren. Kinder, die zuerst Tibetisch lernen, sind da im Nachteil. In der Alltagssprache sind viele Begriffe durch chinesische verdrängt worden. Und die Mönche in den Klöstern haben politische Unterweisungen und werden dazu gezwungen, sich gegen den Dalai Lama zu stellen.

STANDARD: Glauben Sie, dass eine gemeinsame Lösung des Konflikts mit den Chinesen möglich ist?

Nyima: Wir wollen keine Trennung von Chinesen und Tibetern, das ist auch nicht mehr möglich. Aber wir wollen eine Autonomie, sodass Tibet von den Tibetern regiert wird, ohne dass Chinas Führung von Peking aus mitredet. Aber wegen der chinesischen Unterwanderung drängt die Zeit.

STANDARD: Was erwarten Sie von der neuen chinesischen Führung, die im Herbst antritt?

Nyima: Der Wechsel könnte etwas verbessern, weil die neue Führung mehr westliche Kontakte hat und vielleicht weltoffener ist. (Julia Raabe, DER STANDARD, 25.4.2012)

Tsewang Nyima (74) ist ein hochrangiger Gelehrter des tibetischen Buddhismus. Er wurde in der tibetischen Hauptstadt Lhasa geboren und floh im Zuge des Tibetaufstands 1959 ins Exil. Seine Ausbildung zum geistigen Lehrer begann er mit neun Jahren. 1980 wurde ihm der höchste Titel des “Geshe Lharampa” verliehen. Er lehrt u. a. im Thosamling-Kloster nahe Dharamsala in Indien.

===============

ÖSTERREICHREISE

Dalai Lama für “Jahrhundert des Friedens”

25. Mai 2012, 17:45
  • Artikelbild
    foto: apa/epa/techt

    Tenzin Gyatso, Dalai Lama

Exiltibeterchef zeigt Sympathie für die Grünen – Treffen mit Vizekanzler Spindelegger.

Wien – Bei seiner ersten öffentlichen Veranstaltung in Wien hat der Dalai Lama, das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten, Friede und Dialog für das 21. Jahrhundert gefordert. Das vergangene Jahrhundert sei eines der Gewalt gewesen, das derzeitige solle eines des Dialoges werden, forderte der 76-Jährige im Rahmen eines Vortrages zum Thema “Jenseits von Religion – Ethik und menschliche Werte in der modernen Gesellschaft” am Freitagnachmittag in der Stadthalle

Im Anschluss an den Vortrag traf das geistliche Oberhaupt der Tibeter auf Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger (VP). Würde er einer Partei zugehören, wären dies jedoch die Grünen, ließ der Dalai Lama im Beisein des Vizekanzlers wissen. Das Publikum goutierte die Aussage mit spontanem Applaus. “Ich kenne aber die Partei des Herrn Ministers nicht”, fügte er hinzu.

“Universelle Verantwortung”

Die Gewalt heutzutage sei ein “Versäumnis des vergangenen Jahrhunderts”, Terrorismus sei nur einer der Auswüchse dessen, erklärte der Dalai Lama in seinem Vortrag vor rund 10.000 Zuhörern. Nichtsdestotrotz zeigte er sich optimistisch, dass dieses Jahrhundert “ein besseres” wird. Dies sei aber auch “von unseren eigenen Bemühungen abhängig”, mahnte der Friedensnobelpreisträger. Ein wichtiges Element dabei sei Bildung. “Durch Bildung können wir ein glücklicheres Jahrhundert schaffen”, betonte der Dalai Lama.

“Vom Kindergarten bis zur Universität” müssten nach Ansicht des tibetischen Oberhauptes die wichtigsten gesellschaftlichen Werte wie Ehrlichkeit, Offenheit und Vertrauen gelehrt werden. Dadurch gewinne der Mensch Selbstvertrauen und könne “universelle Verantwortung” entwickeln. Er trete für eine “säkuläre Entwicklung der menschlichen Werte” ein, erklärte der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso.

Säkularismus will der Dalai Lama in der indischen Definition verstanden wissen. Es bedeute für ihn, alle Religionen und auch diejenigen Menschen zu respektieren, die keiner Religion angehören. Generell hob der Religionsführer immer wieder das “Gemeinsame” hervor, das über das Trennende zu stellen sei. “Wir sind alle gleich, auch ich bin nichts Besonderes”, hatte er auch bei einer Pressekonferenz am Vormittag gesagt. “Mental, physisch und emotional bin ich einer von euch”, stellte er vor der begeisterten Menge in der Stadthalle fest.

Die “Einheit der Menschheit” sei deshalb so wichtig, weil “ohnehin alles voneinander abhängig” ist. Die eigenen Interessen seien immer auch gemeinsame Interessen, sagte der Dalai Lama. Als oberstes Ziel nannte er ein “friedvolles Zusammenleben”, dies bedeute, “anderen zu helfen” oder “zumindest keinen Schaden zuzufügen”.

Am Samstag spricht der Dalai Lama bei einem Symposium an der Universität zu Buddhismus und Wissenschaft mit dem Titel “Geist und Materie – neue Modelle der Wirklichkeit”. Am Nachmittag (ab 14.30 Uhr) gibt es die Möglichkeit, den Dalai Lama am Heldenplatz im Rahmen der “Europäischen Solidaritätskundgebung für Tibet” zu sehen. Den Abschluss des Besuches bildet ein Treffen mit Kardinal Schönborn Sonntagfrüh.  (APA, 25.5.2012)

Be Sociable, Share!

Leave a comment for this article

###